Oliver Koch, Bericht zur Boxgala in Uchtelfangen

In einer einer gut gefüllten Sporthalle in Uchtelfangen begrüßten Bürgermeister Dr. Armin König und Ortsvorsteher Stefan Maas am 13. April 2019 die saarländischen Boxfans zum ersten Profi-Boxsportabend im Saarland seit geraumer Zeit. Die Erwartungen des Publikums waren entsprechend hoch, und der von Ringsprecher Ralf Treitz souverän moderierte Kampfsportabend begann auch sehr vielversprechend. Die vom Boxclub 1921 Neunkirchen in Person des 1. Vorsitzenden Norbert Reinermann organisierten Kämpfe im Olympischen Boxen der Amateure wussten zu überzeugen. David Abramischvili aus Trier und sein Gegner aus Idar Oberstein, Ali Ghalami, zeigten einen technisch starken Kampf, in dem beide Kämpfer kurioserweise des Öfteren ihre Mundschutz verloren, was dann letztendlich zum Sieg des Idar-Obersteiners durch Disqualifikation seines Gegners führte. Das war ärgerlich, vor allem auch für dessen Vater, den mehrfachen georgischen Meister und Meister der Sowjetunion, Nukri Abramischvili, ist aber durch die Wettkampfordnung so vorgeschrieben. Etwas rustikaler ging es bei dem Neunkircher Duell zwischen Ian Müller vom BC Phönix und Leon Feist vom ausrichtenden Boxclub 1921 Neunkirchen zu. Leon fand Runde für Rund besser in den Kampf und konnte seine technische und konditionelle Überlegenheit kurz vor Schluss in einen KO-Sieg umwandeln. Das Duell David Perreira vom BC Lucky Punch gegen Kemal Özcan vom ASC Dudweiler begeisterte hingegen von Anfang an: Schnelle Schlagwechsel, spektakuläre Meidbewegungen und technisch saubere Kombinationen auf beiden Seiten hielten den Kampf lange offen, bis sich letzten Endes der konditionell überlegenere Perreira deutlich nach Punkten durchsetzen konnte. Der mit Spannung erwartete Kampf der Debütanten Jens Oberleuck vom BC Lucky Punch und Antonio De Fazio, beide bereits mit Ringerfahrung aus anderen Kampfsportarten, war ähnlich spannend, wenn auch ungleich schneller beendet. Bereits in der ersten Runde schickte Antonio seinen Kontrahenten nach einer blitzsauberen Kombination auf die Bretter und holte sich einen sauber herausgeboxten KO-Sieg.
Der letzte Amateurkampf zwischen Can Kurt aus Frankfurt und Chennadi Vesco aus Bad Windsheim hatte eine weitaus ruhigere Gangart und ging nach Punkten an den Athleten aus Bad Windsheim. In den Pausen begrüßte Ralf Treitz drei weitere saarländische Boxprofis: Mirco „the comet“ Martin, der demnächst wieder in Karlsruhe boxt, Jürgen „Dobermann“ Doberstein, der sich derzeit von einer Trainingsverletzung erholt und vor allem Senad „Gachine Gun“ Gashi, der am 20. April die wohl einmalige Chance hat, sich durch einen Sieg gegen Derek Chisora in der O2-Arena in London ganz oben zu etablieren. Dem Applaus der Zuschauer war zu entnehmen, dass ihn die besten Wünsche aller boxsportgegeisterten Saarländer dorthin begleiten. Die anschließenden Profikämpfe hingegen konnte nicht alle überzeugen. Vor allem die extrem schwache Leistung von Jessica Pickardt gegen die in allen Belangen überlegene Bilgenur Aras enttäuschte die Zuschauer. Technisch saubere und ansehnliche Kämpfe lieferten dagegen Mike Stitsenko aus der Ukraine und in seinem Profidebut Haider Warda vom ASC Dudweiler . beide allerdings ebenfalls gegen klar unterlegene Gegner.
Auch Alexander Lorch wusste in seinem 2. Profikamp mit einem überlegen und präzise herausgeboxten Sieg zu überzeugen, ebenso wie Maurice Morio „Engel Gabriel“, der mit seinem Auftritt mit Engelsflügeln sicher das exotischste Bild beim Einlauf bot. Yakup Saglam enttäuschte seine zahlreichen Fans nicht und lieferte einen allerdings eher unspektakulären Sieg gegen einen erkennbar leichteren aber sich tapfer wehrenden Atan Sakic. Der abschließende Titekampf um die Internationale Deutsche Meisterschaft im Supermittelgewicht zwischen Cem Kurnazcan und Atin Karabet war dann allerdings ein versöhnlicher Abschluss des Kampfabends. Über die gesamte Distanz von 10 Runden schenkten sich beide Boxer nichts und hielten die Begegnung spannend bis zuletzt. Der Punktsieg von Kurnazcan vom ausrichtenden FLP Boxteam aus Koblenz war jedoch verdient und wurde entsprechend mit Beifall honoriert. Es war letztendlich eine gelungene Veranstaltung, zu der jedoch nicht wenige der Zuschauer konstruktive Verbesserungsvorschläge vorbrachten. Vor allem die nicht immer passende Kampfzusammenstellung im Profibereich wurde immer wieder moniert, das eher solide kulinarische Angebot, die Beleuchtung und das gesamte nicht unbedingt glamouröse Umfeld ließen die Bezeichnung der Veranstaltung als „Gala“ in den Augen der meisten Besucher doch als zu ambitioniert erscheinen.



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